Faith is an Energy of your heart – make room for it

Depression, Angst & Traumata

Ein paar Schritte, die vielleicht helfen...
den Artikel lesen

>> Einleitung – meine Geschichte

Eines vorweg: Ich schreibe diesen Artikel, weil ich selbst weiss, wie es ist, wenn das ganze Leben nur noch schwarz zu sein scheint, wenn man nicht mehr aufstehen kann, wenn man das Gefühl hat, dass das Leben ohne einen stattfindet. Ich schreibe diesen Artikel, weil ich für mich erfahren habe, dass mich in diesen Zuständen niemand verstehen kann, der sie nicht selbst erlebt hat. Gleichzeitig ist die persönliche Begleitung durch einen Menschen, der eben diese Zustände kennt, Gold wert. So war es jedenfalls bei mir.

Diese persönliche Begleitung kann und will ich durch diesen Artikel nicht ersetzen, wohl aber einige Erfahrungen teilen, die hilfreich sein können.

>> Lass dich krankschreiben und nimm dir Zeit für deine Heilung

Wenn du wirklich so tief in einem schwarzen Loch bist, dass du nicht mehr weiter weisst, dann zieh die Reissleine. Geh zum Arzt und lass dich krankschreiben!!! Und zwar nicht nur für ein oder zwei Wochen sondern für Monate. Bei Depressionen und Angststörungen landest du irgendwann in einer Abwärtsspirale. Und für diese Spirale gibt es Gründe, die meist im Alltagsleben zu suchen sind. Wenn du jetzt also versuchst, dein Leben wie zuvor zu leben, dann wird sich diese Spirale möglicherweise verschlimmern. Schaffst du es aber, dir einen Zeitraum zu verschaffen, in dem du heilen und wirklich an dir arbeiten kannst, dann nimmst du erst einmal massiv Druck von deinen Schultern. Und du schaffst dir den Raum, den du wirklich brauchst, um in deinem Leben neue Schritte einzuleiten.

Wenn du jetzt denkst: Ich kann mir diesen Freiraum nicht nehmen! Dann lies bitte weiter. Ich war selbständig und zwar hatte und habe ich zwei Selbständigkeiten, die gepflegt werden wollen. Ich hatte und habe eine Partnerin und ein Kind, dessen Kita bezahlt werden will. Und und und … und ich habe das dennoch so gemacht. Warum? Weil ich einen Kreislauf brechen wollte, der mich immer wieder heimgesucht hat. Weil ich wirklich verstehen wollte, was in mir, der ich ein Meister bin, mich über Wasser zu halten, wirklich vor sich ging. Und weil ich meiner Tochter eben nicht ein weiterer abwesender Vater und meiner Partnerin nicht ein weiterer abwesender Partner sein wollte. Denn davon gibt es genug.

>> Lass locker und erlaube dir, weniger fokussiert zu sein

Der folgende Tipp klingt erst einmal paradox. Aber er hat es in sich. Ich habe in meiner Depression irgendwann gelernt, weniger fokussiert auf die Dinge zu sein. Nicht, dass du mich falsch verstehst: es ist eine Gabe und ein Geschenk, seinen Geist gut ausrichten zu können. Die Praxis der Meditation baut darauf auf, das sagt schon fast alles. Nur fiel mir irgendwann im Rahmen einer Ausbildung auf, dass ich wirklich komplett fokussiert auf die Worte meines Ausbilders war, dass ich jedes Wort analysierte, bewertete, verarbeitete. Und ich merkte, welche Anstrengung das in meinem Geist verursachte. Instinktiv begann ich von nun an, fast nur noch leicht teilnahmslos aus dem Fenster zu schauen: 90 % meiner Aufmerksamkeit ruhten von nun an mehrere Tage lang in den Wolken, 10 % hörten noch zu. Und diese 10 % reichten locker.

Was möchte ich damit sagen: ich kenne wirklich einige Menschen, die an Depressionen und Panikstörungen leiden. Ausnahmslos haben sie einen interessierten Geist, hören genauestens zu, sind höchst aufmerksam. Und leiden am genau dieser Fähigkeit, die es ihnen so schwer macht, einfach mal wirklich abzuschalten. 

Buddha lehrte nicht nur Konzentration (Achtsamkeit) sondern auch die Fähigkeit, nicht anzuhaften bzw. loszulassen. Beides ist unmittelbar miteinander verwoben. Die Chancen stehen gut, dass du vor allem auch das Loslassen zu lernen hast. Hier schlage ich dir diesen untypischen Weg vor.

>> Unausgesprochenes Aussprechen, 
Nicht Abgeschlossenes abschliessen

Die Tipps, die jetzt folgen, sind den anderen etwas nachgestellt. Sie sind nicht weniger wichtig, es ist aber wesentlich einfacher, sie zu beherzigen, wenn du sowohl Zeit hast als auch dir erlaubst, in deinem Heilungsprozess etwas lockerer vorzugehen. 

Dann wird der folgende Tipp zu einem mächtigen Tool. 

Denn häufig sind es die kleinen und lange aufgeschobenen Dinge, die uns alle im Alltag belasten und die vor allem unseren Geist füllen, so dass er nicht zur Ruhe kommen kann. Dann sind wir den ganzen Tag damit beschäftigt, daran zu denken, dass wir doch noch … die Fahrradkette ölen wollten. Die Kinderschuhe auf ebay setzen. Die Kassenzettel abheften. Das sind jetzt alles keine super wichtigen Dinge, aber sie belasten unseren Geist auf Dauer massiv. Und ich habe gelernt, dass ich in meinem Alltag (habe ich es erwähnt? Zwei Selbständigkeiten, ein Kind und eine der teuersten Städte in Deutschland…) kaum zu Kleinkram komme.

Als ich mir endlich die Zeit für meinen Heilungsprozess genommen hatte, nahm ich mir vor, diesen kleinen und kleinsten Dingen meine Aufmerksamkeit zu schenken. Es sollte mir nicht mehr wichtig sein, wie gross sie waren. Sie sollten nur aus meinem Geist verschwinden. Ich ölte das Fahrrad. Ich setzte die Schuhe auf ebay. Ich heftete die Kassenzettel ab. Danach fühlte ich etwas wie Frieden in meinem Geist.

Dann kam der nächste Schritt: ich schaute mir all die Beziehungen zu meinem Mitmenschen an und überall dort, wo ich das Gefühl hatte, dass noch etwas unausgesprochen war, schrieb ich einen ehrlichen Brief. Meistens hegte ich nämlich noch schlechte Gefühle gegen eine andere Person obwohl ich mir bewusst war, dass diese Person für diese meine Gefühle gar nichts konnte. Die Briefe gaben mir die Möglichkeit, offen meine Gefühle und Gedanken zu äussern. Das kostetet mich zwar einige Überwindung, nachdem die Reaktionen der Personen, denen ich die Briefe schrieb, so herzlich und offen waren (nämlich so offen wie meine Worte) merkte ich, wie viel Befreiung mir diese Briefe gaben.

Ich hatte das Gefühl, durch das Ölen meiner Fahrradkette und das Schreiben von Vergebungsbriefen jede Menge schwarze Löcher in meinem Geist zu flicken. Und es war, als ob diese Löcher mir im wahrsten Sinne des Wortes meine eigene Energie abzogen. Und jetzt begann ich, sie zu stopfen. Es wurde wieder heller.

>> Entwicklungstraumata verstehen

Endlich versteh ich, warum nichts so richtig geklappt hat!“ Es gibt einen Traumatherapeuten mit schrägem Namen und teils schrägem Aussehen (Gopal Norbert Klein), der sagt nicht ganz unbescheiden, dass er immer das Gleiche von Menschen hört, die auf die Thematik von Entwicklungstraumata stossen: „Warum hat mir das nicht jemand früher erzählt?“

Und es ist wirklich so: auch mir hat ein tieferes Verständnis dessen, was bei Traumatisierungen in den frühen Lebensjahren passiert, massiv geholfen, meine eigenen körperlichen und geistigen Symptome zu verstehen. Ich werde in einem anderen Artikel sicherlich tiefer auf die Thematik eingehen, einige Punkte aber möchte ich hier anreissen.

Als Entwicklungstraumata bezeichnen wir Erlebnisse meist aus der frühen Kindheit, die von dem schutzlosen Kind nicht richtig eingeordnet werden konnten, die es überforderten und bei denen meist die Beziehung zu den Menschen der Umwelt (häufig der Eltern) beteiligt war. Jetzt ist es zumindest für die Schulmedizin natürlich ein Rätsel, warum manche Kinder mit starken negativen Erfahrungen problemlos zurecht kommen während andere Kinder diese in ihrem Körper und ihrem Nervensystem speichern und später reaktivieren. Spirituelle Menschen werden hier sicherlich auf seelische oder karmische Prägungen & Lebenspläne verweisen.

Ich habe das Geschenk, Vater einer wunderbaren und gleichzeitig extrem sensiblen Tochter zu sein. Für meine Tochter ist es manchmal ein Weltuntergang, wenn sie von mir kritisiert oder in der Bahn von Menschen seltsam angeschaut wird. Nur: niemals ist sie das Problem. Sie ist einfach nur ein extrem offener Mensch, sie hat sich diese Offenheit über die ersten Jahre bewahrt. Das Problem sind die Menschen, die keinen Umgang mit einer solchen Offenheit kennen. “Ach, das ist doch nicht so schlimm!!!” “Jetzt stell dich doch nicht so an!!!” “Das musst man halt mal durch!!!” 

Manchmal ertappe ich mich selbst bei solchen Gedanken. Vor allem aber habe ich gelernt, mit ihrer sensiblen Seite umzugehen, ihr die Möglichkeit zu geben, ihre Emotionen auszuleben, zu weinen, schreien. Und für sie da zu sein. 

Wenn das bei einem Kind nicht passiert, dann wird es sich mit der Zeit mehr und mehr verbiegen. Es werden Muster in seinem energetischen System und in seinem Nervensystem gelegt, durch die es dann handelt. Und weil ein Kind eine Welt, in der es sich nicht verstanden fühlt, als massive Bedrohung erlebt, wird es nicht mehr frei und aus einem entspannten Nervensystem heraus handeln, sondern fast permanent im Kampf – oder Fluchtmodus.

Aus dem Kind wird irgendwann ein Erwachsener. Und der eben beschriebene Kampf – und Fluchtmodus bestimmt auch heute noch unsere Gesellschaft. Eine simple Wahrheit, die ich hier etwas verstecke, lautet: versteht man einmal die Entwicklung eines Kindes, dann sieht man, dass die meisten Erwachsenen gar nicht als souveräne Erwachsene handeln, sondern als verletzte, verärgerte oder dissoziierte Kinder.

Immer, wenn ich in eine Depression abglitt (und das passierte mir meistens, wenn mein Nervensystem überlastet war), dann handelte auch ich als verletztes Kind, das versucht, in einer feindlichen Welt zu überleben.

>> Traumatechniken

Haben wir einmal die Bedeutung von Entwicklungstraumata verstanden öffnet sich Feld der Handlungsmöglichkeiten. Da nämlich die Forschung davon ausgeht, dass sich Traumata vor allem im Nervensystem abbilden gibt es ganz effektive Methoden, um damit umzugehen. Einige möchte ich hier anreissen, in anderen Artikeln vielleicht noch weiter vorstellen.

Die Rosenberg Grundübung
Stanley Rosenberg ist ein amerikanischer Arzt mit Praxis in Dänemark, der basierend auf der Polyvagaltheorie, eine einfache Technik entwickelt hat, um den Nervus Vagus, den für ihn zentralen Nerv, zu harmonisieren bzw. zu balancieren. Die Übung lässt sich machen, wenn man bereits kurz davor ist, durchzudrehen, sie braucht zwei Minuten Zeit und absolut keine Kraft. Und sie ist effektiv. Zu schön um wahr zu sein? Genau! Hier ist sie:

  • Leg dich auf den Boden oder auf dein Bett, blicke nach oben, kreuze die Arme hinter deinem Hinterhaupt, so dass du hier einen gewissen Druck ausübst. Du stimulierst dadurch die Äste des Nervus Vagus.
  • Halte nun den Kopf in seiner Position und schaue stark nach rechts. Fixiere zum Beispiel einen Punkt an der Wand. Bleibe für eine Minute in dieser Situation. Wenn du ein Gähnen bemerkst oder ein Seufzen oder ein Zittern oder ein Absinken, dann machst du die Übung richtig. Zur Info: Die Muskeln, die für die Augenrotation zuständig sind, verlaufen am Hinterhaupt und wirken auf den Nervus Vagus ein. Dieser wird auf physische Weise gelöst.
  • Schaue nun stark nach links. 
  • Super, fertig! Hast du es richtig gemacht, dann hat sich hiermit dein Nervensystem etwas reguliert. Ich empfehle, die Übung so regelmässig wie möglich zu machen.

Zu dieser und den darauf aufbauenden Übungen gibt es ein Buch und auch einige Youtube Clips.

TRE – Trauma Release Exercice

TRE ist eine einfache körperliche Übungsabfolge (wie einfache Yogaübungen), die auf den Psoasmuskel einwirkt. Wie bitte? Der Psoas Muskel ist der grösste Muskel des Körpers, der ungefähr vom Zwerchfell zu den Beinen verläuft; er wird im yogischen auch als Seelenmuskel bezeichnet. Der Witz daran: ist dieser Muskel angespannt, und das ist er schon allein durch unser häufiges Sitzen, dann sind auch wir nicht entspannt, der Muskel hält ganz viel unserer Energie fest. Die Theorie besagt, dass eben auch viel der Ladung, die nach einer traumatischen Erfahrung nicht aus dem Nervensystem verschwinden kann, genau hier eingefroren wird.

TRE macht jetzt nichts anderes, als auf diesen Muskel einzuwirken. Man löst ein Belastungszittern aus und ein guter Teil der gefrorenen Energie kann so entweichen. Gut daran: die Organisation, die TRE unterrichtet ist non profit. TRE wir in Kriegsgebieten und Slums mit Gewalterfahrungen angewandt. Kurse gehen etwa 2 Stunden, kosten vielleicht 30 € und danach kann man das selbst anwenden. 

Zudem gibt es ein Buch von David Berceli, dem Begründer, auf englisch. Eine deutsche Autorin hat die absolute Dreistigkeit besessen und das gesamte TRE Wissen bzw. die Technik kopiert, das Wissen als ihr eigenes verkauft. Das Buch heisst Zittern Sie sich frei. Bestellen, Übungen machen, zurückschicken, amazon Stimmen haben sie ohnehin entlarvt.

Trauma Buster

Eine Klopftechnik, die ebenso einfach zu erlernen ist und die dazu führt, dass die eigene festgefrorene Energie wieder besser läuft. 

https://www.youtube.com/watch?v=HpHzEu2c_sc&t=1519s

>> Ernährungsumstellung

Wenn es wirklich so ist, dass du jetzt mehr Zeit für dich zur Verfügung hast: überdenke deine Ernährung. Zucker, weisses Mehl, Kaffee meist auch Milchprodukte und Fleisch sind hier kritisch zu sehen. Kantinen – oder Dosenessen sowieso. Das ist eigentlich alles Standard Wissen. Wenn das neu für dich ist, dann fang an, dich mit Ernährung zu beschäftigen und glaube keinen alten Grundsätzen! Die Ernährungsrichtlinien, die man so kennt, stammen aus der Weltkriegszeit, wo man Soldaten brauchte, die marschierten und ganz sicher nicht dachten.

Was jetzt brauchst ist aber Energie. Geh also zum Markt, gönn dir Bio Produkte und koch dir was leckeres mit Gemüse. Und wenn du willst google einmal Anthony William und probier seinen Selleriesaft aus.

>> Nahrungsergänzung?

Brauchst du nicht? Kostet zu viel? Das habe ich lange gedacht. Und ich muss jetzt einsehen, dass ich wohl bei beidem falsch gelegen habe. Achtung. Ich bin kein Experte in der Thematik. Aber: Standard ist heutzutage VitaminD Supplementierung, die von Vitamin K2 ergänzt wird und am besten Magnesium und VitaminB12. Warum? Weil wir nicht zu den Zeiten an der Sonne sind, die sinnvoll wären, damit der Körper seine VitaminD Depots füllen kann. Sind die leer funktioniert aber der Rest auch nicht – um es flapsig zu sagen. 

Aber wie war es bei mir? Ich wurde von meinem sehr bodenständigen Schwager mit der Nase auf das Thema gestossen. Habe mich etwas informiert. Dann einen alten Befund von mir gefunden, auf dem meine Werte angegeben waren. Dann war ich schockiert. Dann habe ich VitaminD hoch supplementiert (mein Tipp: es gibt Präparate mit 5000iE statt 1000iE, die genau so teuer sind). Das Ergebnis: es geht mir weitaus besser. Vielleicht bilde ich es mir ein. Aber: das ganze ist alles andere als teuer und wenn ich mir ausrechne, welche Kosten durch Arbeitsausfall etc. auf mich zukommen, dann ist das ein Witz. Dr. Jörg Spitz klärt neben anderen darüber auf Youtube ganz gut auf.

>> Psychotherapie

„Können Sie mich noch verstehen oder bin ich jetzt verrückt?“ – Es gibt in unserem Land und in unserer Kultur ja eine Institution, die beschäftigt sich ganz ausdrücklich mit der Frage, ob jemand geistig gesund ist oder nicht: die Klinik, die Psychiatrie, samt ihrer Ableger, der Psychotherapie.

Jetzt kann man unser Gesundheits – oder Krankheitssystem kritisieren. Und es gibt Menschen, die kritisieren, dass es das Ziel der Psychotherapie sei, einen – scheinbar kranken – Menschen wieder in die – definitiv nicht gesunde – Gesellschaft einzugliedern.

Nur: die meisten Menschen, die ich kenne, möchten von dieser Gesellschaft nicht wirklich abgetrennt leben, denn das braucht jede Menge Kraft und Gesundheit. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mir die psychotherapeutische Begleitung einfach geholfen hat. Sie hat mir geholfen, Erlebnisse einzusortieren, ich konnte sie nutzen für einen Aussenblick auf meine Situation. Die wirklich grossen Schritte habe ich ausserhalb des psychotherapeutischen Rahmens gemacht – aber. Ich war und bin dankbar für die Möglichkeit einer psychotherapeutischen Begleitung, unter anderem, weil sie von der Krankenkasse übernommen wird.

Kurz: nicht nur persönlich sondern auch als Körpertherapeut empfehle ich sehr, psychotherapeutische Behandlung aufzusuchen. Weder gibt es da heute noch ein gesellschaftliches Stigmata noch sind die meisten Psychotherapeuten im frühen 20. Jahrhundert hängen geblieben.

>> Freunde

Hier schliesst sich vielleicht der Kreis. Betrachten wir den Menschen vom Nervensystem aus, dann ist klar: ein Mensch möchte sich geborgen fühlen. Ein Mensch möchte im Kontakt mit seinen Mitmenschen sein. In einem entspannten Austausch. Mit dem Gefühl, verstanden zu werden.

Eine der schlimmsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann, ist Isolation. Tragischerweise ziehen sich Menschen natürlich gerade dann, wenn sie den sozialen Austausch bräuchten, zurück: zum Beispiel, wenn sie an einer Depression erkrankt sind.  

Ich hatte das grosse Glück, Freunde zu haben, die mich nicht nur in meinen Ängsten und in meiner Traurigkeit akzeptierten, sondern die sich um mich kümmerten und ich bin dafür unendlich dankbar. Ich habe dadurch aber auch die Erfahrung gemacht, dass, auch wenn nicht alles verstanden, so doch vieles akzeptiert werden kann. Daher: auch wenn es schwer fällt: Jetzt ist es Zeit für Freunde, jetzt ist es Zeit, dass sie für dich da sind und dich stützen. 

Manchmal ist es gar nicht so, dass man seinen Mitmenschen durch seine Verzweiflung & seine Dunkelheit belästigt. Viel häufiger macht man ihnen dadurch das grösste Geschenk. Man berührt sie an einer Stelle der Seele, an der sie sonst nicht berührt werden.

>> Epilog

Es gab Momente in der grössten Dunkelheit, da konnte ich nur im Wald sein. Und ich erinnerte mich an den Satz eines grossen Mannes, eines einfachen Landwirtes mit einem guten Herzen, der mir gesagt hatte: Die Bäume verurteilen einen nicht. Gut, ich konnte also zu manchen Zeiten nur die Bäume aufsuchen.

Zu dieser Zeit konnte ich auch nicht anders, als mich mit dem Tod zu beschäftigen. Er war ja ohnehin so nahe, und obwohl ich mich nicht umbringen wollte, so zog er mich doch magisch an. Eine Freundin ermöglichte es mir irgendwann, diesem Gefühl nachzugehen und ich erhaschte den Rockzipfel einer Wirklichkeit, die grösser ist als die diesseitige.

Damit möchte ich schliessen. In vielen Kulturen der Welt waren Krisen Tore zu etwas Grösserem, unsere Kultur, das wissen wir, lässt sich diese Chance zum Wachstum entgehen. Nur einzelne Menschen gehen durch dieses Tore hindurch und ermöglichen anderen Menschen einen ähnlichen Weg. Ich glaube nicht, dass Menschen, die an Depressionen und Angstzuständen leiden, wirklich “krank” sind oder nicht “normal”. Ich glaube, sie zeigen etwas in einer Gesellschaft auf; sie sind ein Symptom einer Krankheit, die ganz woanders sitzt. Auf eine verrückte Art und Weise sind sie die eigentlich Normal Gebliebenen.

Melde dich zum Newsletter!

Datenschutz

© Ulrich Haug 2018 II Impressum II Datenschutz